Wippdrechseln

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Drechselbank mit Fidelbogen
(Quelle: King Alfonso X - Book of Games 1283)

Drechseln wird der Vorgang genannt, bei dem ein ungeformtes Stück Holz zu einem runden verarbeitet wird. So hat man die Möglichkeit, Tisch- und Stuhlbeine, Schalen etc. herzustellen. Die älteste nachgewiesene Drechselarbeit stammt aus dem etruskischen Bereich -  7. Jhd. v. Chr.  Von dieser Zeit an, bis ins frühe Mittelalter änderte sich nicht viel an der Art wie gedrechselt wurde.
Erst im 13. Jhd. wurde aus der (Hand-)Drechsel die Wippdrechsel und die Arbeit wandelte sich von einer sitzenden zu einer stehenden Tätigkeit. Man hat nun erstmals beide Hände für die Arbeit frei, da das Werkstück mit dem Fuß angetrieben wird.

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Quelle: Nürnberger Zwölfbruderschaft 1425
(Literatur: Treue 1965, S114, Taf. 33)

Auf diese Art, mit kleinen Abwandlungen, wurde bis zur Industrialisierung (und dem Aufkommen von strombetriebenen Drechselbänken) und noch bis ins späte 19. Jhd. gearbeitet. Einige wenige Wippdrechsler in England führten ihren Beruf bis 1950 auf diese Art aus.

Lange waren die (Kunst-)Drechsler eine eigene Berufsgruppe und auch Zunft/Gilde.

Die erste Blütezeit der Drechselei war das Hochmittelalter, hier waren vor allem die Engländer bekannt für ihre erstklassigen Arbeiten. Im deutschen Raum ist besonders Nürnberg mit einer hohen Anzahl von Kunstdrechslern zu nennen.

Die verwendeten Werkzeuge haben sich seit dem Mittelalter bis heute in Form und Geometrie im Wesentlichen nicht viel verändert.

In den ländlichen Gegenden fanden bis ins 20. Jhd. meist einheimische Hölzer Verwendung. Seit der Renaissance werden von den Kunstdrechlsern für kostbare Gegenstände vermehrt Edelhölzer benutzt. Die im Mittelalter bevorzugten Holzarten waren: Birke, Linde, Zwetschke, Apfel, Nuss, Tanne, Eiche.

Wir zeigen die Herstellung von kleinen Gebrauchsgegenständen, wie Garnspulen, Kerzenständer und Holzgriffe auf der mittelalterlichen Wippdrechselbank.

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Buchtipps

Christoph Graf zu Waldburg Wolfegg. Venus and Mars, The Art of the Medieval Housebook. Prestel-Verlag; 1998.

Reinhold Reith. Das alte Handwerk: Von Bader bis Zinngießer. C.H. Beck-Verlag (Beck´sche Reihe); 2008.

John Seymour. Vergessene Künste: Bilder vom alten Handwerk. Urania-Verlag; 2009.